Physik · Vorabi

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Bezug zum Kerncurriculum: Schwingungen, Wellen, Interferenz, Polarisation, Michelson

Skript 1 · Schwingungen und Wellen

Wellen und Interferenz

Schwingung, Wellengleichung, Interferenz, Doppelspalt, Gitter, Bragg, EM-Wellen, Polarisation, Michelson

Das können Sie nach diesem Skript

– Schwingungen und Wellen mit den fünf Kenngrößen beschreiben
– die Wellengleichung aus der Laufzeit herleiten
– Interferenz über Gangunterschied und Zeiger entscheiden
– Doppelspalt-, Gitter- und Einzelspaltbedingung unterscheiden

Lernskript zur Vorbereitung auf das Vorabitur am 06.11.2026 · Gymnasium Westerstede, Niedersachsen
Grundlage: Kerncurriculum Physik (Niedersachsen 2022), Unterrichtsmaterialien www.physik.gym-wst.de, Aufgabenpool der Länder (IQB)

Inhalt

1 Kenngrößen

GrößeEinheitBedeutung
Auslenkung 𝑠(𝑡)mmomentaner Abstand von der Ruhelage
Amplitude 𝐴mgrößte Auslenkung
Periodendauer 𝑇sDauer eines vollen Zyklus
Frequenz 𝑓HzZyklen pro Sekunde
Kreisfrequenz 𝜔1/sPhasenzuwachs pro Sekunde
Wellenlänge 𝜆mräumlicher Abstand gleicher Phase
Ausbreitungsgeschwindigkeit 𝑐m/sLaufgeschwindigkeit einer Phase
𝑇=1𝑓,𝜔=2𝜋𝑓=2𝜋𝑇,𝑐=𝜆𝑓=𝜆𝑇

Für eine harmonische Schwingung gilt

𝑠(𝑡)=𝐴sin(𝜔𝑡+𝜑0),𝑣(𝑡)=𝐴𝜔cos(𝜔𝑡+𝜑0)
Wellenmaschine aus dem Schulmaterial: Die Kugeln schwingen um ihre Ruhelage, die Störung läuft durch die Kette. Quelle: Schulseite .
Abbildung 1: Wellenmaschine aus dem Schulmaterial: Die Kugeln schwingen um ihre Ruhelage, die Störung läuft durch die Kette. Quelle: Schulseite.

Nach der Zeit Δ𝑡 ist die Störung um 𝑐⋅Δ𝑡 weitergewandert; ihre Form ändert sich dabei nicht, nur ihr Ort.

1.1 Messwerte, Energie und Diagramme

Ein Oszilloskop zeichnet 𝑠(𝑡) auf. Aus dem Abstand zweier Nulldurchgänge in derselben Richtung folgt 𝑇, aus der größten Auslenkung 𝐴; die Frequenz ist 𝑓=1/𝑇. Bei gedämpfter Schwingung nimmt die Amplitude exponentiell ab, 𝐴(𝑡)=𝐴0𝑒−𝛾𝑡; die Einhüllende ist im 𝑡-𝑠-Diagramm eine fallende Exponentialkurve.

Beim Feder-Masse-Pendel wandelt sich Energie fortlaufend um:

𝐸pot=12𝐷𝑠2,𝐸kin=12𝑚𝑣2,𝐸ges=𝐸pot+𝐸kin

In der Ruhelage ist 𝐸kin maximal und 𝐸pot null; am Umkehrpunkt ist es umgekehrt. Das 𝑡-𝑣-Diagramm ist die Ableitung des 𝑡-𝑠-Diagramms: Es eilt um eine Viertelperiode voraus und hat bei 𝑠=0 seinen größten Betrag.

2 Zeigermodell und Interferenz

Ein Zeiger der Länge 𝐴 rotiert mit 𝜔; seine Projektion auf die Hochachse ist 𝑠(𝑡). Zwei Wellen am selben Ort addieren sich wie zwei Zeiger – vektoriell, mit Phasendifferenz 𝛿:

𝐴ges=𝐴12+𝐴22+2𝐴1𝐴2cos(𝛿),𝛿=2𝜋Δ𝑠𝜆

Definition

Kohärenz: Zwei Wellen sind kohärent, wenn sie dieselbe Frequenz haben und ihre Phasendifferenz über die Beobachtungszeit konstant bleibt. Nur dann ist 𝛿 eine feste Größe – und nur dann entsteht ein zeitlich stabiles Interferenzmuster.

Zeigerdarstellung einer Schwingung aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite .
Abbildung 2: Zeigerdarstellung einer Schwingung aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite.

Ein voller Umlauf des Zeigers entspricht einer Wellenlänge; deshalb liest man den Gangunterschied zweier Wellen direkt als Winkel zwischen ihren Zeigern ab.

Merksatz

Konstruktiv: Δ𝑠=𝑛𝜆, 𝛿=𝑛⋅2𝜋, 𝐴ges=𝐴1+𝐴2.
Destruktiv: Δ𝑠=(2𝑛+1)𝜆2, 𝛿=(2𝑛+1)𝜋, 𝐴ges=|𝐴1−𝐴2|.

3 Gedämpfte Schwingung und Resonanz

𝐴(𝑡)=𝐴0𝑒−𝛾𝑡,Λ=ln𝐴(𝑡)𝐴(𝑡+𝑇)=𝛾𝑇

Dabei ist 𝛾 die Dämpfungskonstante und Λ das logarithmische Dekrement.

Definition

Resonanz: Die Amplitude der erzwungenen Schwingung ist maximal, wenn die Erregerfrequenz 𝑓𝐸 nahe der Eigenfrequenz 𝑓0 liegt. Je schwächer die Dämpfung, desto höher und schmaler der Peak; bei starker Dämpfung liegt das Maximum etwas unterhalb von 𝑓0.

Die Erregerfrequenz am Maximum heißt Resonanzfrequenz 𝑓𝑅. Für schwache Dämpfung gilt 𝑓𝑅≈𝑓0=12𝜋𝐷𝑚; mit wachsender Dämpfung wandert 𝑓𝑅 nach unten.

Bei kleiner Anregungsfrequenz (𝑓𝐴<𝑓𝐸) folgt das System der Erregung fast ohne Verzögerung; bei 𝑓𝐴≈𝑓𝐸 wächst die Amplitude stark an (Resonanz); bei 𝑓𝐴>𝑓𝐸 kann es der Erregung nicht mehr folgen, die Amplitude bleibt klein. Mit wachsender Anregungsfrequenz eilt die Schwingung der Erregung immer stärker nach; im Resonanzfall beträgt die Phasenverschiebung etwa 𝜋/2.

SystemEigenfrequenzGültigkeit
Feder-Masse-Pendel𝑓0=12𝜋𝐷𝑚massefreie Feder
Fadenpendel𝑓0=12𝜋𝑔𝑙kleine Auslenkung
Schwingkreis𝑓0=12𝜋𝐿𝐶Thomsonsche Formel

Im Schwingkreis pendelt die Energie zwischen Kondensator und Spule:

𝐸el=12𝐶𝑈2,𝐸mag=12𝐿𝐼2,𝑓0=12𝜋𝐿𝐶

Im Schwingkreis lädt die Spannungsquelle den Kondensator auf. Beim Entladen treibt die Kondensatorspannung einen Strom durch die Spule; die Selbstinduktion der Spule bremst den Stromanstieg und baut dabei ein Magnetfeld auf. Ist der Kondensator entladen, hält der Strom aufgrund der Induktion an und lädt den Kondensator mit umgekehrter Polarität. So pendelt die Energie zwischen elektrischem Feld (𝐸el) und magnetischem Feld (𝐸mag) hin und her. Beim realen Schwingkreis wandelt der ohmsche Widerstand einen Teil der Energie in Wärme um; die Schwingung ist gedämpft.

Ein Resonanzexperiment: Ein Erreger mit veränderbarer Frequenz 𝑓𝐴 regt das System an; man misst die Amplitude für jede Frequenz und trägt sie über 𝑓𝐴 auf. Das Maximum liegt bei 𝑓𝑅≈𝑓0. Ersetzt man im LC-Kreis den Kondensator durch einen mit größerem 𝐶, sinkt 𝑓0; die Resonanzkurve verschiebt sich nach links. Das lässt sich mit zwei Kondensatoren unterschiedlicher Kapazität prüfen; die Messung bestätigt 𝑓0∼1/𝐶 nur, wenn 𝐿 unverändert bleibt.

4 Experiment: Feder-Masse-Pendel

Experiment

Aufbau. Feder am Stativ, Masse 𝑚, Lineal, Stoppuhr.
Durchführung. 𝑚 variieren, je 10 Schwingungen messen, 𝑇=𝑡/10.
Beobachtung. 𝑇 wächst mit 𝑚; bei kleiner Amplitude ist 𝑇 unabhängig von der Amplitude.
Auswertung. 𝑇2 gegen 𝑚: Gerade durch den Ursprung, Steigung 4𝜋2/𝐷.
Erklärung. Rückstellkraft −𝐷𝑠 gegen Trägheit 𝑚 – siehe Herleitung.
Bedeutung. Bestätigt 𝑇∼𝑚 und liefert 𝐷 ohne Kraftmessung.

Fehler und Sicherheit. Die Zeitmessung über zehn Perioden verringert den Reaktionsfehler; systematisch wirkt die Federkonstante bei großer Auslenkung. Stativ gegen Umkippen sichern und die Feder nicht überdehnen.

Herleitung

Periodendauer des Federpendels

  1. Bewegungsgleichung: 𝑚d2𝑠d𝑡2=−𝐷𝑠.
  2. Form einer harmonischen Schwingung mit 𝜔2=𝐷/𝑚.
  3. Mit 𝜔=2𝜋/𝑇 folgt 4𝜋2𝑇2=𝐷𝑚.
  4. Auflösen:
𝑇=2𝜋𝑚𝐷
  1. Gültig für massefreie Feder und kleine Auslenkung. 𝐷 folgt aus der Steigung der 𝑇2-𝑚-Geraden.

5 Von der Schwingung zur Welle

Der Erreger bei 𝑥=0 schwingt mit 𝐴sin(𝜔𝑡). Am Ort 𝑥 kommt die Bewegung nach der Laufzeit 𝑥/𝑐 an:

𝑠(𝑥,𝑡)=𝐴sin(𝜔(𝑡−𝑥𝑐))=𝐴sin(2𝜋(𝑡𝑇−𝑥𝜆))

𝜆 gehört zum Ort, 𝑇 zur Zeit, und 𝑐=𝜆/𝑇.

Herleitung

Wellengleichung aus der Zeitverzögerung

  1. Ansatz: Die Welle gibt die Erregerschwingung unverändert weiter, nur zeitlich verspätet.
  2. Verspätung: Für die Strecke 𝑥 braucht das Signal Δ𝑡=𝑥/𝑐.
  3. Einsetzen: 𝑡←𝑡−𝑥/𝑐 in 𝑠=𝐴sin(𝜔𝑡).
  4. Umformen mit 𝜔=2𝜋/𝑇 und 𝑐=𝜆/𝑇 liefert die Phasenform oben.
  5. Probe: 𝑥=𝜆 ergibt Phase 2𝜋, also denselben Zustand – korrekt.

Achtung – typische Fehlerquelle

𝑐 ist die Phasengeschwindigkeit, nicht die Geschwindigkeit der Teilchen. Teilchen schwingen senkrecht zur Ausbreitung (transversal) oder parallel (longitudinal).

6 Stehende Wellen

Zwei gegenläufige Wellen gleicher Frequenz und Amplitude ergeben

𝑠(𝑥,𝑡)=2𝐴sin(𝑘𝑥)cos(𝜔𝑡)

Die Amplitude ist ortsfest, die Welle wandert nicht. Knoten bei 𝑥=𝑛𝜆/2.

Stehende Welle aus dem Schulmaterial: Knoten und Bäuche im Abstand 𝜆 / 2 . Quelle: Schulseite .
Abbildung 3: Stehende Welle aus dem Schulmaterial: Knoten und Bäuche im Abstand 𝜆/2. Quelle: Schulseite.

In der Grundschwingung schwingt die Mitte mit maximaler Amplitude, in der ersten Oberschwingung sitzt dort ein zusätzlicher Knoten; der Abstand zweier Knoten bleibt in beiden Fällen 𝜆/2.

RänderWellenlängenFrequenzen
beide fest𝐿=𝑛𝜆2𝑓𝑛=𝑛𝑓1
ein Ende offen𝐿=(2𝑛−1)𝜆4𝑓𝑛=(2𝑛−1)𝑓1

Experiment

Ultraschall-Stehwelle im Kundtschen Rohr.
Aufbau. Glasrohr mit Lautsprecher an einem Ende und bewegtem Stempel am anderen Ende; im Rohr liegt Korkmehl oder Styroporgranulat.
Durchführung. Lautsprecher mit fester Frequenz 𝑓 einschalten und den Stempel verschieben, bis das Granulat deutliche Knoten und Bäuche zeigt. Abstand zweier benachbarter Knoten messen.
Beobachtung. Das Granulat sammelt sich an den Schwingungsknoten; die Knoten liegen im Abstand 𝜆/2.
Auswertung. 𝜆=2(𝑥1−𝑥0) und 𝑐=𝜆𝑓.
Bedeutung. Die stehende Welle macht die Wellenlänge des unsichtbaren Ultraschalls messbar.

Fehler und Sicherheit. Unsicherheit kommt aus der Stempelposition und der Ablesung der Knotenabstände; systematisch aus der Rohrlänge. Lautstärke begrenzen und das Glasrohr gegen Umstoßen sichern.

7 Doppelspalt

Doppelspalt-Geometrie aus dem Schulmaterial: Die beiden Teilstrahlen laufen zum Punkt 𝑃 ; ihr Wegunterschied bestimmt das Interferenzbild. Quelle: Schulseite .
Abbildung 4: Doppelspalt-Geometrie aus dem Schulmaterial: Die beiden Teilstrahlen laufen zum Punkt 𝑃; ihr Wegunterschied bestimmt das Interferenzbild. Quelle: Schulseite.

Der untere Strahl legt bis zum Schirm das zusätzliche Stück 𝑑sin(𝛼) zurück; dieser Wegunterschied entscheidet, ob sich die Wellen am Punkt 𝑃 verstärken oder auslöschen.

Herleitung

Doppelspaltbedingung

  1. Von beiden Spalten laufen Wellen nach 𝑃; die Wege unterscheiden sich um Δ𝑠.
  2. Geometrie: Δ𝑠=𝑑sin(𝛼).
  3. Konstruktiv für Δ𝑠=𝑛𝜆: 𝑑sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆.
  4. Kleine Winkel: sin(𝛼)≈tan(𝛼)=𝑎𝑛/𝑒, also
𝑎𝑛=𝑛𝜆𝑒𝑑
  1. Gültig für 𝑒≫𝑑 und 𝑎𝑛≪𝑒; sonst mit sin rechnen.
Interferenzmuster am Doppelspalt aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite .
Abbildung 5: Interferenzmuster am Doppelspalt aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite.

Experiment

Doppelspalt mit Licht und mit Schall.
Aufbau. Licht: Laser, Doppelspalt, Schirm. Schall: zwei gleichphasige Lautsprecher im Abstand 𝑑, Mikrofon als Detektor.
Durchführung. Licht: Abstand 𝑎𝑛 der Maxima auf dem Schirm messen. Schall: Mikrofon seitlich verschieben und die Orte der Maxima und Minima aufnehmen.
Auswertung. Licht: 𝑑sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆 mit tan(𝛼𝑛)=𝑎𝑛/𝑒. Schall: aus dem Muster 𝜆 bestimmen und mit der bekannten Frequenz 𝑐=𝜆𝑓 prüfen.
Bedeutung. Dieselbe Geometrie gilt für Licht und Schall; der Doppelspalt ist kein Sonderfall des Lichts.

Fehler und Sicherheit. Beim Licht sind der Abstand Doppelspalt–Schirm und der Streifenabstand die Hauptfehler; beim Schall die Mikrofonposition. Laser nie ins Auge richten, Lautstärke begrenzen.

Weil 𝑎𝑛 linear mit 𝑛 wächst, sind die Maxima gleich weit voneinander entfernt; die Minima liegen jeweils genau dazwischen.

8 Gitter und Einzelspalt

Beim Gitter (Gitterkonstante 𝑔, 𝑁 Spalte) haben Nachbarspalte den Gangunterschied 𝑔sin(𝛼):

𝑔sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆

Viele Spalte machen die Maxima scharf – deshalb wird mit dem Gitter die Wellenlänge gemessen. Im Zeigermodell addieren sich die 𝑁 Zeiger der Spalte. Im Hauptmaximum zeigen alle in dieselbe Richtung; schon eine kleine Winkeländerung dreht die äußeren Zeiger gegeneinander, sodass die Summe schnell kleiner wird. Zwischen zwei Hauptmaxima liegen 𝑁−2 Nebenmaxima; mit wachsendem 𝑁 werden die Hauptmaxima schmaler und die Nebenmaxima schwächer. Deshalb lässt sich die Lage eines Hauptmaximums mit einem Gitter viel genauer messen als mit einem Doppelspalt.

Beim Einzelspalt (Breite 𝑏) interferieren Elementarwellen eines Spalts. Minima bei

𝑏sin(𝛼𝑚)=𝑚𝜆,𝑚=1,2,…

Zwischen dem Minimum erster Ordnung links und rechts liegt das zentrale Maximum. Seine Winkelbreite ist etwa 2𝜆/𝑏; je schmaler der Spalt, desto breiter ist es. Mit steigender Ordnung werden die Nebenmaxima schwächer, weil die Intensität der Einhüllenden abfällt. Für die Intensität gilt 𝐼(𝛼)=𝐼0(sin(𝛽)/𝛽)2 mit 𝛽=𝜋𝑏sin(𝛼)/𝜆.

Achtung – typische Fehlerquelle

Die Einzelspalt-Minima haben dieselbe Form wie die Doppelspalt-Maxima. Wer beide Bedingungen gleich behandelt, vertauscht hell und dunkel.

Experiment

Gitter mit monochromatischem Licht (objektiv und subjektiv).
Aufbau. Laser oder Spektrallampe, Gitter mit bekannter Gitterkonstante 𝑔, Schirm in bekanntem Abstand; subjektiv ein Fernrohr auf einem drehbaren Arm.
Durchführung. Objektiv: Abstand 𝑎𝑛 des 𝑛-ten Maximums auf dem Schirm messen. Subjektiv: das Maximum durch das Fernrohr anvisieren und den Winkel ablesen.
Auswertung. 𝑔sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆; objektiv mit tan(𝛼𝑛)=𝑎𝑛/𝑒, subjektiv direkt mit dem gemessenen Winkel.
Bedeutung. Zwei unabhängige Messwege für dieselbe Wellenlänge.

Fehler und Sicherheit. Gitterkonstante und Winkelablesung bestimmen die Unsicherheit; die Nullage des Gitters wirkt systematisch. Laserstrahl abdecken und nicht in den Strahl blicken.

Experiment

Weißes Licht am Gitter.
Beobachtung. Das zentrale Maximum ist weiß; die Maxima höherer Ordnung sind zu einem Spektrum aufgefächert, weil sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆/𝑔 mit 𝜆 wächst.
Auswertung. Aus dem Winkel einer bekannten Spektrallinie folgt 𝜆; umgekehrt lässt sich aus dem Spektrum auf die Gitterkonstante schließen.

Fehler und Sicherheit. Die farbigen Ränder der Maxima begrenzen die Ablesegenauigkeit; die Gitterkonstante wirkt systematisch. Lampe nicht berühren und den Strahlengang abdecken.

Eine CD oder DVD wirkt als Reflexionsgitter: Die feinen Spuren reflektieren das Licht unter verschiedenen Winkeln. Mit dem gemessenen Beugungswinkel 𝛼, der Ordnung 𝑛 und der Wellenlänge 𝜆 folgt der Spurabstand

𝑑=𝑛𝜆sin(𝛼)

Experiment

Spurabstand einer CD/DVD.
Aufbau. Laserdiode mit bekannter Wellenlänge, CD oder DVD, Schirm, Winkelmesser.
Durchführung. Den Laser schräg auf die reflektierende Oberfläche richten und den Winkel 𝛼 des 𝑛-ten Beugungsmaximums messen.
Auswertung. 𝑑=𝑛𝜆/sin(𝛼); bei bekannter Spurzahl pro Millimeter lässt sich das Ergebnis prüfen.
Bedeutung. Eine Alltagsanwendung derselben Gittergleichung.

Fehler und Sicherheit. Wellenlänge der Laserdiode und Winkel sind die Eingangsgrößen; der Spurabstand folgt mit deren Unsicherheit. Laserlicht nicht direkt ins Auge, CD nicht verkratzen.

Interferenzmuster am Gitter aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite .
Abbildung 6: Interferenzmuster am Gitter aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite.

Beim Gitter überlagern sich viele Elementarwellen; dadurch werden die Maxima scharf und die Wellenlänge lässt sich präzise bestimmen.

9 Bragg-Reflexion

An Netzebenen mit Abstand 𝑑 ist der Zusatzweg der zweiten Welle 2𝑑sin(𝜃):

Herleitung

Bragg-Gleichung

  1. Zwei parallele Strahlen werden an zwei benachbarten Netzebenen im Abstand 𝑑 reflektiert.
  2. Der untere Strahl läuft zusätzlich den Weg Δ𝑠. Im rechtwinkligen Dreieck mit Hypotenuse 𝑑 und Gegenkathete Δ𝑠/2 gilt sin(𝜃)=(Δ𝑠/2)/𝑑.
  3. Also Δ𝑠=2𝑑sin(𝜃).
  4. Konstruktive Interferenz für Δ𝑠=𝑛𝜆; damit folgt 2𝑑sin(𝜃)=𝑛𝜆.
Bragg-Reflexion an Netzebenen aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite .
Abbildung 7: Bragg-Reflexion an Netzebenen aus dem Schulmaterial. Quelle: Schulseite.

Experiment

Aufbau. Röntgenröhre, Kristall mit bekanntem Netzebenenabstand und drehbarer Detektor.
Durchführung. Den Glanzwinkel 𝜃 verändern und die Intensität der reflektierten Strahlung messen.
Beobachtung. Nur bei bestimmten Winkeln entsteht ein scharfes Maximum.
Auswertung. 2𝑑sin(𝜃)=𝑛𝜆; bei bekanntem 𝑑 folgt die Wellenlänge.

Fehler und Sicherheit. Winkel und Netzebenenabstand tragen die Unsicherheit; die Nullage des Detektors wirkt systematisch. Röntgenstrahlung abschirmen, Türkontakt und Dosimeter benutzen.

Der zweite Strahl dringt eine Netzebene tiefer ein und läuft dadurch den Weg 2𝑑sin(𝜃) länger; nur wenn dieser Weg ein Vielfaches von 𝜆 ist, verstärken sich die reflektierten Wellen.

10 Elektromagnetische Wellen

𝑐0=2,998⋅108 m/s im Vakuum, 𝑐=𝑐0/𝑛Med im Medium. Beim Übergang bleibt 𝑓 konstant, 𝜆 ändert sich:

Eine elektromagnetische Welle besteht aus einem elektrischen und einem magnetischen Feld. Beide schwingen senkrecht zueinander und senkrecht zur Ausbreitungsrichtung; die Felder erzeugen sich gegenseitig, sodass die Welle im Vakuum ohne Ladungen existieren kann. Im Vakuum breitet sie sich mit 𝑐0 aus, im Medium mit 𝑐=𝑐0/𝑛Med. Die Frequenz wird vom Erreger vorgegeben und bleibt beim Medienwechsel gleich; weil 𝑐 kleiner wird, wird 𝜆 kleiner.

sin(𝛼)sin(𝛽)=𝑐1𝑐2=𝑛Med,2𝑛Med,1

Beim Eintritt in ein optisch dichteres Medium knickt der Strahl zum Lot; die Ursache ist die kleinere Ausbreitungsgeschwindigkeit, nicht eine Änderung der Frequenz.

11 Messung der Lichtgeschwindigkeit

Dass Licht sich nicht unendlich schnell ausbreitet, erkannte Ole Rømer 1676 an den Jupitermonden: Der Schattenaustritt des Mondes Io verspätet sich im Lauf eines Jahres um bis zu etwa 17 Minuten, weil die Erde auf ihrer Bahn unterschiedlich weit von Jupiter entfernt ist. Rømer selbst schätzte noch 22 Minuten; der heutige Wert für die Laufzeit über den Erdbahndurchmesser beträgt 16,6 Minuten.

Im Labor lässt sich 𝑐 mit einer stehenden Welle messen. In der Mikrowelle (Frequenz 𝑓=2,45 GHz) bilden sich zwischen den Wänden Maxima im Abstand 𝜆/2. Bei einem Abstand von 6,4 cm folgt 𝜆=2⋅6,4 cm =12,8 cm und damit

𝑐=𝜆𝑓=0,128m⋅2,45⋅109Hz=3,14⋅108m/s

Achtung – typische Fehlerquelle

Der Abstand zweier erhitzter Stellen ist 𝜆/2, nicht 𝜆: Zwischen zwei Maxima liegt ein Minimum. Wer ihn als Wellenlänge einsetzt, erhält den doppelten Wert.

Aus den Maxwell-Gleichungen folgt, dass 𝑐 allein aus Naturkonstanten bestimmt ist:

𝑐0=1𝜇0𝜀0=2,998⋅108m/s

Michelson und Morley fanden 1887 keine Abweichung von diesem Wert, obwohl die Erde sich relativ zum damals postulierten Äther bewegen sollte. Einstein machte daraus 1905 ein Postulat: In allen Inertialsystemen misst jeder Beobachter im Vakuum denselben Wert 299792458 m/s. Deshalb hängt 𝑐 in 𝑐=𝜆𝑓 nicht davon ab, wer die Welle beobachtet.

Das sichtbare Licht (𝜆≈380–780 nm) ist nur ein schmaler Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums. Nach steigender Frequenz geordnet: Radiowellen, Mikrowellen, Infrarot, sichtbares Licht, Ultraviolett, Röntgen- und Gammastrahlung.

Verbindung: Dasselbe Interferenzprinzip wie in der Mikrowelle nutzt das Michelson-Interferometer (Abschnitt 13) für Längenmessungen; die Photonenenergie 𝐸=ℎ𝑓 behandelt Skript 2.

12 Polarisation

Licht ist eine Transversalwelle: Das elektrische Feld schwingt senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Bei einer Glühlampe ist diese Schwingungsebene statistisch verteilt, bei einem Laser liegt sie fest.

Definition

Polarisator: Ein Filter, der nur eine Schwingungsebene durchlässt. Analysator: Ein zweiter Filter dahinter; er zeigt, in welcher Ebene das Licht nach dem ersten Filter schwingt.

Experiment

Aufbau. Lampe oder Laser, Polarisator, drehbarer Analysator und eine Photodiode als Intensitätsmesser.
Durchführung. Den Analysator schrittweise drehen und die Intensität messen.
Beobachtung. Bei paralleler Stellung ist die Intensität maximal, bei gekreuzter Stellung praktisch null.
Auswertung. 𝐼(𝛼)=𝐼0cos2(𝛼) (Malus-Gesetz).

Fehler und Sicherheit. Photodiodenstrom und Winkelstellung sind die Messgrößen; die Nullage von Polarisator und Analysator wirkt systematisch. Nur Laser kleiner Leistung verwenden und den Strahl abdecken.

Stehen Polarisator und Analysator im Winkel 𝛼 zueinander, gilt das Malus-Gesetz

𝐼=𝐼0cos2𝛼

Das elektrische Feld nach dem Polarisator hat die Amplitude 𝐸0. Der Analysator lässt nur die Komponente 𝐸0cos(𝛼) durch; die Intensität ist proportional zum Quadrat der Amplitude, also 𝐼=𝐼0cos2(𝛼).

Merksatz

Nur Transversalwellen lassen sich polarisieren. Schall ist eine Longitudinalwelle und hat keine Polarisationsebene; ein Polarisator hat für ihn keine definierte Wirkung. Deshalb ist Polarisation der Nachweis, dass Licht transversal schwingt.

13 Michelson-Interferometer

Ein Strahlteiler teilt den Laserstrahl in zwei Teilstrahlen. Sie laufen zu je einem Spiegel und werden auf einen Schirm zurückgeworfen, wo sie sich überlagern. Ein Arm ist fest, der andere beweglich.

Wird der bewegliche Spiegel um Δ𝑑 verschoben, ändert sich der Weg dieses Teilstrahls um 2Δ𝑑 – hin und zurück. Der Gangunterschied ist also

Δ𝑠=2Δ𝑑
Michelson-Interferometer aus dem Schulmaterial: Strahlteiler, fester und beweglicher Spiegel, Schirm. Quelle: Schulseite .
Abbildung 8: Michelson-Interferometer aus dem Schulmaterial: Strahlteiler, fester und beweglicher Spiegel, Schirm. Quelle: Schulseite.

Mit Mikrowellen statt Licht lässt sich dasselbe Interferometer betreiben: Die Wellenlänge ist dann Zentimeter statt Nanometer, und die Verschiebung eines Spiegels um 𝜆/2 ergibt wieder einen Hell-Dunkel-Wechsel.

Experiment

Aufbau. Laser, 45°-Strahlteiler, fester Spiegel M1, auf einer Schiene verschiebbarer Spiegel M2 und ein Schirm. Der Strahlteiler erzeugt zwei Teilstrahlen; M1 und M2 werfen sie zurück.
Durchführung. M2 langsam verschieben und die am Schirm vorbeiziehenden hellen Streifen zählen.
Beobachtung. Das Streifenmuster wandert; eine Verschiebung um 𝜆/2 ergibt einen Hell-Dunkel-Wechsel.
Auswertung. Δ𝑠=2Δ𝑑 und Δ𝑑=𝑁𝜆/2.

Fehler und Sicherheit. Spiegelverschiebung und die Zählung der Helligkeitswechsel bestimmen die Unsicherheit; die Justage wirkt systematisch. Laser nicht ins Auge, optische Bank gegen Verrutschen sichern.

Am Schirm treffen beide Teilstrahlen wieder zusammen; verschiebt man den beweglichen Spiegel, wandert das Streifenmuster über den Schirm.

Maxima erscheinen bei Δ𝑠=𝑘𝜆, Minima bei Δ𝑠=(2𝑘+1)𝜆/2. Beim Verschieben um 𝜆/2 wechselt das Bild einmal zwischen hell und dunkel. Zählt man 𝑁 Streifen, die am Schirm vorbeiziehen, folgt

Δ𝑑=𝑁𝜆2

Damit lassen sich Längenänderungen von Bruchteilen einer Wellenlänge messen – das ist die technische Verwendung, die im Kerncurriculum verlangt wird.

14 Aufgaben

Aufgabe 1 AFB II10 P.

Ein Doppelspalt (𝑑=0,25 mm) wird mit Licht der Wellenlänge 633 nm beleuchtet; der Schirm steht 𝑒=2,00 m entfernt.

  1. Berechnen Sie den Abstand zweier benachbarter Maxima.
  2. Begründen Sie, dass die Kleinwinkelnäherung zulässig ist.

Lösung

(1) 𝑎1=𝜆𝑒𝑑=633⋅10−9m⋅2,00m0,25⋅10−3m=5,06 mm.

(2) tan(𝛼1)=𝑎1/𝑒=2,5⋅10−3, also 𝛼1≈0,14°. Bei so kleinen Winkeln unterscheiden sich sin und tan um weniger als 10−4.

Aufgabe 2 AFB II10 P.

Ein Gitter mit 500 Strichen pro Millimeter zeigt das Maximum 2. Ordnung unter 39,2°.

  1. Bestimmen Sie 𝑔.
  2. Berechnen Sie 𝜆.
  3. Erklären Sie, warum das Maximum 3. Ordnung fehlt.

Lösung

(1) 𝑔=1500mm−1=2,00⋅10−6 m.

(2) 𝜆=𝑔sin(𝛼2)2=2,00⋅10−6m⋅0,6322=6,32⋅10−7m=632nm.

(3) Fehlt ein Maximum, fällt es mit einem Einzelspalt-Minimum zusammen: Bei endlicher Strichbreite 𝑏 gilt 𝑏sin(𝛼)=𝑚𝜆 für dieselbe Richtung. Die Gitterformel allein erklärt das nicht.

Aufgabe 3 AFB III12 P.

Ein Gitter mit 𝑁 Spalten wird mit monochromatischem Licht beleuchtet.

  1. Erklären Sie, warum die Hauptmaxima mit wachsendem 𝑁 schmaler werden.
  2. Begründen Sie, warum zwischen zwei Hauptmaxima 𝑁−2 Nebenmaxima liegen.
  3. Beurteilen Sie, ob ein Doppelspalt für eine Präzisionsmessung der Wellenlänge geeignet ist.

Lösung

(1) Im Zeigermodell addieren sich 𝑁 Zeiger. Im Hauptmaximum zeigen alle in dieselbe Richtung; schon eine kleine Winkeländerung dreht die äußeren Zeiger gegeneinander, sodass die Summe schnell kleiner wird. Die Halbwertsbreite nimmt mit 1/𝑁 ab.

(2) Zwischen zwei Hauptmaxima durchlaufen die 𝑁 Zeiger relative Phasen von 0 bis 2𝜋. Bei 𝑁−1 gleichmäßig verteilten Phasen heben sich die Zeiger auf; das ergibt 𝑁−2 Minima und dazwischen 𝑁−2 Nebenmaxima.

(3) Nur bedingt: Die Maxima sind breit und die Intensität fällt kaum ab; die Lage ist schwer zu messen. Ein Gitter mit vielen Spalten liefert schmale Maxima und damit eine kleinere Unsicherheit.

15 Typische Fehler

FehlerRichtig
Einzel- und Doppelspaltbedingung vertauschtDoppelspalt: Maxima bei 𝑑sin(𝛼)=𝑛𝜆; Einzelspalt: Minima bei 𝑏sin(𝛼)=𝑚𝜆
Einheiten gemischtalles in SI, erst am Ende umrechnen
„Interferenz, weil sich Wellen treffen“nur bei Kohärenz: feste Phasenbeziehung, gleiche Frequenz
Resonanz immer bei 𝑓0nur bei schwacher Dämpfung; sonst darunter
stehende Welle als wandernd beschriebenortsfeste Knoten, 2𝐴sin(𝑘𝑥)

16 Wiederholung

KernFormel
Wellenlänge aus Frequenz𝑐=𝜆𝑓
Gangunterschied als Phase𝛿=2𝜋Δ𝑠/𝜆
Doppelspalt𝑎𝑛=𝑛𝜆𝑒/𝑑
Gitter𝑔sin(𝛼𝑛)=𝑛𝜆
Einzelspalt-Minima𝑏sin(𝛼𝑚)=𝑚𝜆
stehende Welle, fest-fest𝐿=𝑛𝜆/2
Bragg2𝑑sin(𝜃)=𝑛𝜆
Federpendel𝑇=2𝜋𝑚/𝐷
Dämpfung𝐴(𝑡)=𝐴0𝑒−𝛾𝑡

Verstehen, nicht auswendig: warum 𝛿 und Δ𝑠 dasselbe beschreiben; warum Kohärenz nötig ist; warum die Kleinwinkelnäherung beim Doppelspalt zulässig ist, beim Gitter hoher Ordnung nicht.

Prüfungsrelevanz

Das musst du können:

  • erklären, warum nur kohärente Wellen ein stabiles Interferenzmuster ergeben;
  • herleiten, warum beim Doppelspalt 𝑎𝑛=𝑛𝜆𝑒/𝑑 gilt;
  • berechnen: Wellenlänge aus Gitterwinkel, Ringabstand oder Mikrowellen-Maxima;
  • begründen, warum die Kleinwinkelnäherung beim Doppelspalt zulässig ist und beim Gitter hoher Ordnung nicht;
  • skizzieren: Zeigerbild für konstruktive und destruktive Interferenz.

Quellen (Abruf 2026-11-02).