Physik · Vorabi

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Bezug zum Kerncurriculum: Quantenhypothese, Photon, Photoeffekt, h-Bestimmung

Skript 2 · Licht als Quant

Lichtquanten und Planck

Plancks Quantenhypothese, Photon, äußerer Photoeffekt, Gegenfeld

Das können Sie nach diesem Skript

– die Quantenhypothese als Grundlage der Lichtquanten erklären
– Energie und Impuls eines Photons berechnen
– die Einstein-Gleichung aufstellen und mit der Gegenfeldmethode auswerten
– Grenzfrequenz und Austrittsarbeit deuten

Lernskript zur Vorbereitung auf das Vorabitur am 06.11.2026 · Gymnasium Westerstede, Niedersachsen
Grundlage: Kerncurriculum Physik (Niedersachsen 2022), Unterrichtsmaterialien www.physik.gym-wst.de, Aufgabenpool der Länder (IQB)

Inhalt

Definition

Quantenhypothese: Die Energie eines Oszillators der Frequenz 𝑓 ist 𝐸=𝑛ℎ𝑓 mit 𝑛=0,1,2,…. Zwischenwerte kommen nicht vor.

1 Das Photon

𝐸=ℎ𝑓=ℎ𝑐𝜆,𝑝=ℎ𝜆=𝐸𝑐

Mit ℎ=6,626⋅10−34 J s, 𝑐=2,998⋅108 m/s und ℎ𝑐=1239,8 eV nm wird die Rechnung in eV bequem:

𝐸[eV]=1239,8𝜆[nm]

Ein Photon ist das Energiequant der elektromagnetischen Strahlung. Es hat keine Ruhemasse, bewegt sich im Vakuum mit 𝑐 und trägt die Energie 𝐸=ℎ𝑓; 𝑓 ist die Frequenz der Welle, 𝜆 ihre Wellenlänge. Für ein masseloses Teilchen gilt 𝐸=𝑝𝑐, deshalb folgt 𝑝=ℎ/𝜆. Die Konstante ℎ𝑐=1239,8 eV nm ist keine neue Naturkonstante, sondern eine Rechenhilfe: Sie verknüpft Energie in eV mit Wellenlänge in nm.

2 Der äußere Photoeffekt

BeobachtungKlassisch erwartet
unterhalb von 𝑓𝐺 passiert nichts, egal wie hellgenug Intensität müsste reichen
𝐸kin wächst mit 𝑓, nicht mit der IntensitätEnergie kommt aus der Intensität
sofortiger Einsatz, unter 10 nserst nach Energieaufnahme „Anlaufzeit“

Ein Photon gibt seine Energie ℎ𝑓 bei der Wechselwirkung ganz an ein Elektron ab. Ein Teil davon, die Austrittsarbeit 𝑊𝐴, ist nötig, um das Elektron aus dem Metall zu lösen; der Rest bleibt als kinetische Energie. Nur die Elektronen an der Oberfläche verlieren wenig Energie, deshalb ist die maximale kinetische Energie ℎ𝑓−𝑊𝐴 messbar. Die Intensität legt fest, wie viele Photonen pro Sekunde auftreffen und damit, wie viele Elektronen ausgelöst werden – nicht aber, wie viel Energie ein einzelnes Elektron bekommt.

Herleitung

Einstein-Gleichung (1905)

  1. Ein Photon der Energie ℎ𝑓 trifft auf ein Elektron.
  2. Zum Herauslösen ist mindestens die Austrittsarbeit 𝑊𝐴 nötig (materialabhängig).
  3. Der Rest steht als kinetische Energie zur Verfügung:
ℎ𝑓=𝑊𝐴+𝐸kin,max
  1. Mit der Gegenfeldmethode 𝐸kin,max=𝑒𝑈𝐵 folgt
𝑈𝐵=ℎ𝑒𝑓−𝑊𝐴𝑒
  1. 𝑈𝐵 über 𝑓 ist eine Gerade: Steigung ℎ/𝑒, Achsenabschnitt −𝑊𝐴/𝑒. Nullstelle bei 𝑓𝐺=𝑊𝐴/ℎ (Grenzfrequenz).
Photoeffekt aus dem Schulmaterial: 𝑈 𝐵 bzw. 𝐸 kin,max über der Frequenz; die Steigung ist ℎ / 𝑒 , die Nullstelle 𝑓 𝐺 . Quelle: Schulseite .
Abbildung 1: Photoeffekt aus dem Schulmaterial: 𝑈𝐵 bzw. 𝐸kin,max über der Frequenz; die Steigung ist ℎ/𝑒, die Nullstelle 𝑓𝐺. Quelle: Schulseite.

Trägt man die gemessenen Gegenspannungen 𝑈𝐵 über der Frequenz auf, liegen die Punkte auf einer Geraden; aus der Steigung folgt ℎ, aus dem Achsenabschnitt die Austrittsarbeit des Kathodenmaterials.

Bei der Gegenfeldmethode wird die Spannung so eingestellt, dass gerade kein Elektron mehr die Anode erreicht. Dann gilt 𝑒𝑈𝐵=𝐸kin,max; die Messung erfasst also die schnellsten Elektronen. Bei fester Frequenz wächst der Fotostrom mit der Intensität, bis alle ausgelösten Elektronen abgesaugt werden (Sättigungsstrom). Die Gegenspannung ändert dagegen nur die kinetische Energie der Elektronen, nicht ihre Zahl.

Achtung – typische Fehlerquelle

Die Intensität bestimmt die Zahl der Photonen (den Strom), nicht die Energie der einzelnen Elektronen. Deshalb ändert helleres Licht unterhalb von 𝑓𝐺 nichts.

3 Experimente

Experiment

Fotozelle mit Gegenfeld (h-Bestimmung).
Aufbau. Vakuumröhre, Kathode (Cs), Anode, regelbare Spannung, Amperemeter, Monochromator.
Durchführung. 𝑓 über Farbfilter variieren, 𝑈𝐵 so einstellen, dass 𝐼=0.
Beobachtung. 𝑈𝐵 wächst linear mit 𝑓; unterhalb 𝑓𝐺 kein Strom.
Auswertung/Formel. Steigung 𝑚 der 𝑈𝐵-𝑓-Geraden: ℎ=𝑚𝑒; Achsenabschnitt 𝑏: 𝑊𝐴=−𝑏𝑒.
Bedeutung. Eine der ersten präzisen Messungen von ℎ aus dem Photoeffekt.

Fehler und Sicherheit. Gegenfeld und Kathodenmaterial sind die kritischen Größen; die Austrittsarbeit wirkt systematisch. Hochspannung abschalten, Vakuumröhre nicht öffnen und UV-Strahlung abschirmen.

Messreihe für Zink aus dem Schulmaterial: 𝑈 𝐵 über 𝑓 . Quelle: Schulseite .
Abbildung 2: Messreihe für Zink aus dem Schulmaterial: 𝑈𝐵 über 𝑓. Quelle: Schulseite.

Experiment

Leuchtdioden-Methode.
Aufbau. Mehrere LEDs (rot bis blau), regelbare Spannungsquelle, Voltmeter, Strombegrenzung.
Durchführung. 𝑈 langsam erhöhen und die Einsatzspannung 𝑈𝑆 bestimmen, bei der die LED zu leuchten beginnt; 𝑈𝑆 über der bekannten Frequenz 𝑓 auftragen.
Beobachtung/Formel. Es gilt ℎ𝑓=𝑒𝑈𝑆; die Punkte liegen auf einer Geraden.
Auswertung. Steigung ℎ/𝑒, daraus ℎ.
Bedeutung. Einfache Bestimmung von ℎ ohne Vakuum; 𝑈𝑆 ist wegen der breiten Emissionslinie nur unscharf messbar.

Fehler und Sicherheit. Schwellenspannung und Wellenlänge sind die Eingangsgrößen; der Serienwiderstand und die LED-Temperatur wirken systematisch. Immer mit Vorwiderstand betreiben und LEDs nicht überlasten.

Die Auswertung ℎ𝑓=𝑒𝑈𝑆 setzt voraus, dass die Elektronen ihre elektrische Energie vollständig in ein Photon umwandeln und keine Verluste im Halbleiter auftreten. Deshalb ist 𝑈𝑆 eine Näherung; für eine genaue Bestimmung von ℎ wird die Geradensteigung über mehrere LED-Farben verwendet.

Experiment

Röntgenbremsspektrum.
Aufbau. Röntgenröhre mit Glühkathode und Metallanode, regelbare Hochspannung 𝑈𝐵, Kristall-Spektrometer, Detektor.
Durchführung. 𝑈𝐵 einstellen und das Intensitätsspektrum über der Wellenlänge aufnehmen.
Beobachtung. Kontinuierliches Spektrum mit scharfer kurzwelliger Grenze 𝜆min.
Auswertung/Formel. Dort wird die ganze kinetische Energie in ein Photon umgesetzt: 𝑒𝑈𝐵=ℎ𝑐/𝜆min, also 𝜆min=ℎ𝑐/(𝑒𝑈𝐵).
Bedeutung. Bei 𝑈𝐵=35 kV folgt 𝜆min=35 pm; aus der Grenze lässt sich ℎ bestimmen.

Fehler und Sicherheit. Hochspannung und Wellenlängenablesung tragen die Unsicherheit; die Anodenlinien überlagern das Bremsspektrum systematisch. Röntgenschutz beachten, Strahl nur im abgeschirmten Gerät.

4 Aufgaben

Aufgabe 1 AFB II10 P.

Eine Cäsium-Kathode (𝑊𝐴=2,14 eV) wird mit Licht der Wellenlänge 400 nm beleuchtet.

  1. Berechnen Sie die Photonenenergie in eV.
  2. Bestimmen Sie 𝐸kin,max und die Gegenspannung.
  3. Berechnen Sie die Grenzwellenlänge.

Lösung

(1) 𝐸=1239,8400=3,10 eV.

(2) 𝐸kin,max=3,10−2,14=0,96 eV, also 𝑈𝐵=0,96 V.

(3) 𝜆𝐺=1239,82,14=579 nm. Längerwelliges Licht löst keine Elektronen aus, auch bei beliebiger Intensität. Der Handbuchwert ist 2,14 eV; die Quellenmessung (536 nm, 0,18 V) ergibt 2,13 eV.

Aufgabe 2 AFB II12 P.

Bei der Gegenfeldmethode werden Beispieldaten einer didaktischen Messreihe verwendet (die Quelle nennt für Cäsium 536 nm/0,18 V und für Platin 201 nm/0,53 V):

𝑓 in 1014 Hz5,496,887,40
𝑈𝐵 in V0,370,941,16
  1. Tragen Sie 𝑈𝐵 über 𝑓 auf und bestimmen Sie die Steigung.
  2. Berechnen Sie ℎ und vergleichen Sie mit dem Literaturwert.
  3. Bestimmen Sie 𝑊𝐴 und die Grenzfrequenz.

Lösung

(1) Die Punkte liegen auf einer Geraden; Steigung 𝑚=4,13⋅10−15 V s, Achsenabschnitt 𝑏=−1,90 V.

(2) ℎ=𝑚𝑒=4,13⋅10−15⋅1,602⋅10−19=6,62⋅10−34 J s. Der Literaturwert ist 6,626; die Abweichung von 0,1 % ist bei drei Messpunkten normal.

(3) 𝑊𝐴=−𝑏𝑒=1,90 eV, 𝑓𝐺=−𝑏/𝑚=4,60⋅1014 Hz (𝜆𝐺=653 nm).

Aufgabe 3 AFB III10 P.

Eine Fotozelle wird erst mit rotem, dann mit blauem Licht gleicher Intensität beleuchtet. Beurteilen Sie die Aussage: „Mehr Intensität erhöht die Energie der Photoelektronen.“ Begründen Sie mit der Einstein-Gleichung und unterscheiden Sie Photonenstrom und Photonenenergie.

Lösung

Die Aussage ist falsch. Die maximale kinetische Energie folgt aus ℎ𝑓=𝑊𝐴+𝐸kin,max; sie hängt nur von 𝑓 und 𝑊𝐴 ab. Mehr Intensität bedeutet mehr Photonen pro Sekunde, also einen größeren Photonenstrom und mehr Elektronen – aber nicht schnellere einzelne Elektronen. Blaues Licht hat eine höhere Frequenz und damit eine größere maximale Energie als rotes.

5 Typische Fehler

FehlerRichtig
ℎ𝑓=𝑊𝐴 statt ℎ𝑓=𝑊𝐴+𝐸kindie Gleichung ist eine Energiebilanz
Einheiten eV und J gemischt1 eV =1,602⋅10−19 J; mit ℎ𝑐 in eV nm rechnen
„Intensität erhöht die Elektronenenergie“Intensität erhöht die Zahl, 𝑓 die Energie
Grenzfrequenz und Grenzwellenlänge verwechselt𝜆𝐺=𝑐/𝑓𝐺
Steigung der 𝑈𝐵-𝑓-Geraden als ℎ bezeichnetSteigung ist ℎ/𝑒, erst mal 𝑒

6 Wiederholung

KernFormel
Photonenenergie𝐸=ℎ𝑓=ℎ𝑐/𝜆
Photonenimpuls𝑝=ℎ/𝜆
Photoeffektℎ𝑓=𝑊𝐴+𝑒𝑈𝐵
Grenzfrequenz𝑓𝐺=𝑊𝐴/ℎ
Steigung der 𝑈𝐵-𝑓-Geradenℎ/𝑒
Röntgengrenze𝜆min=ℎ𝑐/(𝑒𝑈𝐵)

Verstehen, nicht auswendig: warum die Intensität die Energie nicht ändert; warum 𝑈𝐵 gegen 𝑓 eine Gerade ist; warum der Photoeffekt sofort einsetzt.

Prüfungsrelevanz

Das musst du können:

  • erklären, warum die klassische Wellentheorie den Photoeffekt nicht erklärt;
  • berechnen: Grenzfrequenz, Austrittsarbeit und ℎ aus der 𝑈𝐵-𝑓-Geraden;
  • begründen, warum die Steigung dieser Geraden nicht vom Kathodenmaterial abhängt;
  • skizzieren: 𝑈𝐵 über 𝑓 und die Energiebilanz am Photon.

Quellen (Abruf 2026-11-02).